Das letzte Wort ... hat in dieser Ausgabe Ferdinand Linzenich, Kabarettist und Buchautor

März 2015 / Das letzte Wort
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Das letzte Wort ... hat in dieser Ausgabe Ferdinand Linzenich, Kabarettist und Buchautor

März 2015 / Das letzte Wort 

Spürbar anders! Das ist der neue Slogan des 1.FC Köln, der jetzt überall in der Stadt plakatiert wird.  Spürbar anders als zum Beispiel Bayern München ist unser sportliches Aushängeschild ja nun zweifellos. Insofern ist der neue Claim eher eine Binsenweisheit. Oder hat der Effzeh mit „Spürbar anders“ vielleicht sogar die Überschrift für eine ganze Stadt gefunden?

Als ich neulich von meinem Wohnort Refrath kommend vor einer der Rheinbrücken mal wieder für eine halbe Stunde den Motor ausmachen durfte, hatte ich Gelegenheit die Gedanken schweifen zu lassen. Und richtig: Köln ist spürbar anders – jedenfalls als jede Stadt, die nördlich von Neapel liegt. Vom Verkehrs-chaos über den Müll und die Infrastruktur bis hin zur Wahlstimmenauszählung, die jedem afrikanischen Staat zur Ehre gereichen würde. 

Ich habe schon immer gerne kabarettistisch gelästert: „Wo sonst gibt es auf der Welt eine Stadt, wo man für die Errichtung eines einzigen Gebäudes 600 Jahre gebraucht hat und mit dem Verklinkern immer noch nicht fertig ist?“ Gut, aber Köln ist ja wahrscheinlich auch die einzige Stadt, wo man bereits bei Windstärke Zwei damit rechnen muss, von den Bestandteilen der eigenen Kathedrale erschlagen zu werden.

Ja, bei uns ist selbst die Kirche unberechenbar. Aber die Kuriositätenliste ließe sich noch fortsetzen. Mit Nippes besitzen wir einen ganzen Stadtteil, der nach wertlosem Trödel benannt worden ist, und mit der Nord-Süd-Fahrt die einzige innerstädtische Formel-1-Strecke für Amateurrennfahrer. Es ist eigentlich ein Wunder, dass nicht auch die Elbphilharmonie bei uns am Rhein steht. Wiewohl: Was die Renovierung des Opernhauses angeht ist ja das letzte Wort noch nicht gesprochen. 

Ja, Köln ist spürbar anders. Deshalb kämen wir auch nie auf die Idee uns für Olympia zu bewerben. Höchstens für die Bundesjugendspiele. Obwohl sich die IOC-Mitglieder mit ihrem Hang zu kleinen Aufmerksamkeiten im Kölschen Klüngel eigentlich wie zuhause fühlen müssten.

Naja, aber sportliche Wettkämpfe um Goldmedaillen und Meisterschaften halten die meisten Kölner sowieso für deutlich überschätzt, wo wir doch schon beim alltäglichen Bundesliga-Abstiegskampf eine Stimmung haben wie im Maracana-Stadion beim WM-Finale.

Ja, ja: Spürbar anders! – Aber seien wir doch mal ehrlich, genauso wollen wir diese Stadt doch haben. Da fällt mir übrigens noch ein anderer Slogan für Köln ein – meinetwegen auch für den Effzeh: „Köln – nix in der Hose, aber La Paloma pfeifen!“ Das ist zu diesem Thema …

... mein letztes Wort.

 
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Spürbar anders!

 

Bildnachweis:
jock+scott / photocase.de