Das letzte Wort ... hat in dieser Ausgabe Günter Schenk, Kulturpreisträger der Deutschen Fastnacht

Januar 2016 / Das letzte Wort
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Das letzte Wort ... hat in dieser Ausgabe Günter Schenk, Kulturpreisträger der Deutschen Fastnacht

Januar 2016 / Das letzte Wort 

Deutschland hat vier Jahreszeiten, Köln hat eine mehr. Die fünfte. Karneval heißt die. Oder besser noch: Fastelovend. Übersetzt ist das der Abend vor der Fastenzeit. Erinnerung an die Ursprünge der jährlichen Frohsinns-Explosion, als es galt, sich vor der österlichen Fastenzeit noch einmal den Bauch vollzuschlagen. Heute fastet vor Ostern kaum noch einer bewusst, aber noch immer bringt der Fastelovend Millionen Menschen jährlich auf die Beine. Fest und Alltag bestimmen unser Leben. Doch weil der Alltag immer festlicher und das Fest immer alltäglicher geworden ist, ist der Karneval für viele zu einem Fest unter vielen geworden. Dabei ist er mehr als eine Lockerungsübung mit Pappnase und bunten Bäckchen.

Genau betrachtet ist er ein riesiges Rollenspiel. Eines, in dem die Hoffnung immer siegt, das Staunen und Lernen verlangt und im besten Fall einen neuen Blick auf die Welt und sich selbst schafft. Fastelovend heißt, sich einlassen auf ein Gegenüber, vom ICH ins WIR umzuschalten. Nur so kann das Fest zum Kompass im Leben werden. Karneval nämlich ist eine Begegnung der Seelen. Eine tiefe Erfahrung, die jedem zugänglich ist, der sich darauf einlässt. Ein Gefühl, das keine Schule zu vermitteln vermag. Auch kein Elternhaus, das allenfalls vorleben kann, wie närrische Solidarität aussieht.

Wer den Karneval aber zum ewigen Maskenball macht, sich vom einen Event ins nächste stürzt, negiert die Endlichkeit der Lust, wird das närrische Geheimnis nie begreifen. Denn neben Jubel, Trubel und Heiterkeit kennt der echte Jeck auch die leisen Töne. Die Melancholie, die schon an Weiberfastnacht greifen kann, und den Abschiedsschmerz, der nicht an den Aschermittwoch gebunden sein muss. Kölns Fastelovend lebt von der Summe seiner Individuen. Von den Jecken – nicht von den Zuschauern. Gerade das macht seine Einmaligkeit aus. Im größten Rollenspiel der Welt kann jeder nur gewinnen. Vor allem an Erfahrung, denn nur die macht den Menschen letzten Endes aus. Das ist zu diesem Thema …

... mein letztes Wort.

 
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Der Alltag ist immer festlicher und das Fest immer alltäglicher geworden

 

Bildnachweis:
jock+scott / photocase.de