Das letzte Wort hat in dieser Ausgabe die Kölner Mundartautorin Elfi Steickmann

Juli 2016 / Das letzte Wort
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Das letzte Wort hat in dieser Ausgabe die Kölner Mundartautorin Elfi Steickmann

Juli 2016 / Das letzte Wort 

Ausgesprochen schade ist es, dass die großen Kölner Verlage es aufgegeben haben, Kölner Mundartliteratur zu fördern und zu verlegen. Der Grund: Wirtschaftlich lohnt es sich nicht mehr. Scheinbar gibt es nicht mehr genügend Kölnerinnen und Kölner, die die kölsche Sprache lesen wollen. Aber man kann, wenn man sich etwas Zeit nimmt und die Geschichten laut liest, wieder in die Sprachmelodie unserer Muttersprache finden. Meine Sorge ist, dass in den nächsten Jahren „Kölsch in Schriftform“ ganz verschwindet. Leider wachsen auch keine jungen Autoren nach, da derzeit kaum Aussicht auf Veränderung besteht. Ich habe selber als alter Schreibhase – nein, man sagt ja heute „Schreibhäsin“ – erfahren müssen, wie schwer es ist, unsere „kölsche Sproch“ für Kulturveranstaltungen wie die Lit. Cologne, Kultur in den Häusern der Stadt und andere interessant zu machen. Die Absagen sind gnadenlos. Sehr schade für unsere so tolerante und sonst großzügige Kulturstadt. Dafür bemerke ich immer mehr, dass in der kölschen Liedszene die Texte rauf- und runtergeschmettert werden – egal ob alles op Kölsch oder zur besseren Reimform mit „Hochdeutsch aufgefüllt“. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Singenden alles verstehen, was sie singen. Aber es ist Lebensfreude pur, Hände zum Himmel und los geht’s. „Loss mer singe“ läuft also super, aber warum nicht mal „Loss mer lese“? Kölsche Literatur kann auch Musik sein, wenn man genau hinhört! Die Begeisterung für musikalische Beiträge würde ich mir auch für eine kölsche Geschichte oder ein kölsches Gedicht wünschen. Denn die Sprache „hat was“, sie hat Herz, sie hat Seele, sie hat einen eigenen Klang, und man kann mit ihr vieles noch besser und gezielter beschreiben als im Hochdeutschen. Da ist es sehr wohltuend, wenn man ein Magazin wie das Top Magazin aufschlägt und auf einigen der vielen, gut genutzten Seiten – und das in jeder Ausgabe – der kölschen Sprache begegnet. Das ist in Köln selten geworden. Mir fällt ansonsten nur die „Kölnische Rundschau“ mit ihren regelmäßig erscheinenden „Verzällcher“ ein. Deshalb danke, dass es noch „Menschen an der richtigen Stelle“ gibt, die die Freude und die Liebe zu unserer kölschen Sproch – auch in der modernen Zeit – nicht verloren haben. Ich hoffe, dass es nicht für unsere Muttersprache gilt, aber für heute ist das zu diesem Thema …

… mein letztes Wort.

»Warum nicht mal ,Loss mer lese‘?«

 
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