Das letzte Wort ... hat in dieser Ausgabe Dr. Michael Euler-Schmidt, Wahlkölner

Juli 2016 / Das letzte Wort
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Das letzte Wort ... hat in dieser Ausgabe Dr. Michael Euler-Schmidt, Wahlkölner

Juli 2016 / Das letzte Wort 
Dr. Michael Euler-Schmidt

Wer lange genug in Köln gelebt und gearbeitet hat,der wird anfangs in bestimmten Positionen das Gefühl nicht los: Komisch, eigentlich stammt das ja von dir, was der andere da gerade mit dem Brustton der Überzeugung von sich gab. Doch über die Jahre verliert sich dieses Gefühl der Irritation und weicht der Erkenntnis, dass dieses Adaptieren von Ideen- und Wortgut auf dem Kölnischen Planeten eine lange Tradition hat.

Im Prinzip handelt es sich hier um eine abgewandelte Form des Kölner

Stapelrechts aus dem 13. Jahrhundert. Die sogenannten Zuträger und Lieferanten von „Ware“ sind in der Regel Imis, also Menschen von außerhalb. Gerne bedient man sich dieser Menschen (sie selbst fühlen sich zunächst auch ganz toll in den ihnen zugewiesen Funktionen!) und lässt sie – bis zu einem bestimmten Punkt – gewähren. Wird man aber im Köln-System allmählich erwachsen und generiert gar eine eigene Meinung zu bestimmten Themen, dann, ja dann, wird die eigene Rolle rasch in Frage gestellt.

"Kölner Filtration" - vom Absaugen der Intelligenz 

Dieser Prozess wird meistens durch den Satz eingeläutet: „Du musst ja nicht überall dabei sein!“ Der „innere Kreis der Berechtigten“, so könnten diejenigen burschikos umschrieben werden, die für sich das Bestimmen der Stadt in Anspruch nehmen, ist eben latent nicht kritikfähig.

Dieser Zustand zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass der Kölner zunächst nicht zuhört. Sollte er dann doch etwas verstanden haben, dann redet er drauf, macht denjenigen ridikül und äußert mit zeitlichem Abstand dies dann doch, und zwar völlig überzeugend, als eigene Meinung.

Diese „Kölner Filtration“ funktioniert im Prinzip schon eine halbe Ewigkeit. Nur darüber gesprochen wird ungern. Warum auch, wenn dadurch Erfolge für Köln nachweislich erbracht werden. Insofern ist dieses Absaugen von Intelligenz und dieses selbstverständliche (Über-) nehmen von schon woanders Dagewesenem natürlich kein Ausdruck des eigenen Unvermögens oder der Bequemlichkeit. Nein, es entspricht dem natürlichen Selbstverständnis, das sich liebevoll in der Sentenz „Köln – Deutschland und (der Rest) der Welt“ immer wieder überholt. Das ist zu diesem Thema …

... mein letztes Wort.

"Kölner Filtration" - vom Absaugen der Intelligenz

 
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